{"id":2339,"date":"2022-11-02T18:10:42","date_gmt":"2022-11-02T17:10:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/?p=2339"},"modified":"2025-10-07T16:59:24","modified_gmt":"2025-10-07T14:59:24","slug":"wie-frieden-freundschaft-auf-den-hund-kamen-oder-wozu-noch-gedichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2022\/11\/02\/wie-frieden-freundschaft-auf-den-hund-kamen-oder-wozu-noch-gedichte\/","title":{"rendered":"Wie Frieden &#038; Freundschaft auf den Hund kamen oder wozu noch Gedichte?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer die feinen Kl\u00e4nge in der Nacht zum 4. Oktober 1957&nbsp;<a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/nasa\/sputnik-beep\">registrierte<\/a>, mochte Tiefsee-Sonar vermuten, einen surrealen Unterwassertraum annehmen, doch das Ger\u00e4usch war echt. Den Hall im All erzeugte SPUTNIK EINS, der erste russische Satellit. Sein Sound, eine Zeitenwende.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein Coup ohnegleichen: Obgleich der Satellit wenig mehr konnte, als Signale auszusenden, verpasste er der westlichen Welt einen tiefgreifenden SPUTNIK-Schock. Und \u00fcberlie\u00df die USA journalistischer H\u00e4me: Mochten die Amerikaner noch so eilig ihren eigenen Satelliten auf die (Umlauf-)Bahn bringen, er bleib ein verspotteter \u201eSP\u00c4TNIK\u201c.<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Man kann sich den Effekt kaum wirkungsvoll genug ausmalen. Der R\u00e4tselort schlechthin, mit einem Mal erschlossen. Seit Menschheitsgedenken war der Weltenraum (wie man einst Plural formulierte) immer auch Ort von Sehnsucht, Hoffnung, Weissagung, Staunen und Schauder gewesen. Offener \u00dcberhorizont f\u00fcr mystische Versenkung, kosmisches Verstehen und metaphysische oder szientistische Spekulationen. Die Freiheit des Unerreichbaren verkehrte sich j\u00e4hlings. Einigen mochte ein Gef\u00fchlt desperater Freiheitsberaubung d\u00e4mmern. Vollkommen unerwartet jedenfalls w\u00e4hnte sich die \u00d6ffentlichkeit nun von roten Sonnen, Sternen und Raketen ausspioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank der fernen Signale konnte die Spur des Sputnik gut verfolgt werden. Mit den damals zur Verf\u00fcgung stehenden Medien freilich, also Funkempf\u00e4ngern, Teleskopen, Ferngl\u00e4sern. Wer meinte, die Bahn mit blo\u00dfem Auge verfolgen zu k\u00f6nnen, sah vermutlich vergl\u00fchende Teile der abgetrennten Raketenstufe.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die bis heute faszinierende technische Leistung zeichnete Sergei Pawlowitsch Koroljow verantwortlich. Seine Biografie lohnt, studiert zu werden. Er wurde denunziert, gefoltert, zu zehn Jahren Haft im Gulag verurteilt, erkrankte an Skorbut, verlor s\u00e4mtliche Z\u00e4hne, w\u00e4re beinahe verhungert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Punkt heute ist, dass er in einem bestimmten Aspekt mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/stevejobs\">#SteveJobs<\/a>&nbsp;verglichen werden kann. Denn es war&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/koroljow\">#Koroljow<\/a>, der die semiotisch-psychologische Bedeutung der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/kugel\">#Kugel<\/a>&nbsp;als Form erkannte und daf\u00fcr sorgte, dass der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/satellit\">#Satellit<\/a>&nbsp;aus Aluminium gl\u00e4nzte wie ein Kinderpopo. Die Crew hatte das Ding zu wienern, bis nicht ein Fleck mehr daran zu sehen war. Auch die vier langen Antennen waren nach seinen Pl\u00e4nen angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4sthetische Meisterleistung war russisches&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/storytelling\">#Storytelling<\/a>&nbsp;im besten Sinn. Denn so trat der k\u00fcnstliche Satellit von Anfang an als argloser Baby-Mond auf den Plan, als kleiner Trabant, w\u00f6rtlich, als Begleiter der Erde und nicht als technisches Objekt, das einen Himmelsk\u00f6rper umkreist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man erinnert sich an Jobs bahnbrechend innovativen Ansatz, dem PC seine Techniklastigkeit auszutreiben. Indem er die langweiligen grauen Kisten rekonzipierte, eben mit \u00e4sthetisch-mathematische Grundformen wie den W\u00fcrfel (\u201eCube\u201c) oder den organisch-eif\u00f6rmigen iMac umwertete, schuf er die Basis f\u00fcr eine neue, emotionale Zug\u00e4nglichkeit seiner Apparate.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/elonmusk\">#ElonMusk<\/a>&nbsp;ist ein veritabler Nachfolger im Geiste, wenn man sich die Redesigns der Astronautenanz\u00fcge und Raketen anschaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Einstweilen die Welt 1957 noch TASS-Nachrichten debattierte, Risiken absch\u00e4tzte und die 500. Umkreisung von SPUTNIK EINS, verfolgte, legte Koroljows Team nach. Abgelegen, in der N\u00e4he von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/baikonur\">#Baikonur<\/a>&nbsp;in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/kasachstan\">#Kasachstan<\/a>, nahe der Siedlung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/tjuratam\">#Tjuratam<\/a>&nbsp;war der Weltraubahnhof, Kosmodrom genannt, entstanden. Und eine Art Hundezuchtstation.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn als die Sowjets am 4. November 1967 die Rakete R-7 mit SPUTNIK ZWEI ins All z\u00fcndeten, befand sich nicht nur Funktechnik an Bord. Erstmals schossen sie ein lebendiges Wesen, die H\u00fcndin&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/laika\">#Laika<\/a>&nbsp;mit in den Erdorbit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Geschichte der Weltraumtiere erforscht, kommt an Laika, aber auch an&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/belka\">#Belka<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/strelka\">#Strelka<\/a>&nbsp;nicht vorbei. Letztere waren die ersten beiden Tiere, die am 19. August 1960 wohlbehalten aus dem All zur\u00fcck kehrten und den Raumflug Juri Gagarins (am 12. April 1961) ebneten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die symbolischen Held:innen-Geschichten um die sogenannten Kosmonauten-Hunde oder Space-Dogs haben allerdings Webfehler. Sie stimmen nur sehr bedingt und sind ein Lehrst\u00fcck f\u00fcr Ideologiekritik, Technologiefundamentalismus und die Verselbst\u00e4ndigung von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/nicestories\">#NiceStories<\/a>. Die russische PR hatte ganze Arbeit geleistet. Doch wie perfide man sich der Tiere bem\u00e4chtigte, erschlie\u00dft sich erst Jahrzehnte sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Einem Kalk\u00fcl Koroljows entsprechend, erwiesen sich Moskauer Stra\u00dfenhunde als sehr viel widerstandsf\u00e4higer als jene Primaten, mit denen die Amerikaner experimentierten. Das russische &#8222;Institut f\u00fcr Luftfahrtmedizin&#8220; erhielt daher Hunde, die einem vorgegebenen Standard entsprachen: Nicht schwerer als 6kg und nicht h\u00f6her als 35cm Wuchsh\u00f6he. Kidnapping nach der optimalen Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die hermetische Kabine.<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand wusste seinerzeit, wie der Organismus den Aufenthalt im Weltraum verkraften w\u00fcrde. Von Ausdehnung der inneren Organe bis hin zu kochendem Blut in den Arterien schien alles m\u00f6glich. Laika und viele andere Tiere starben wie es euphemistisch gerne hei\u00dft &#8218;im Dienst&#8216; f\u00fcr die Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels Gew\u00f6hnungsprozeduren versuchten die Forscher, die Tiere vorzubereiten und die Grenzen des Machbaren auszuloten. Doch das vermeintliche Gew\u00f6hnen war weiten Teils das Aussetzen an qualvolle Bedingungen wie Isolation, Vibration, L\u00e4rm, Dekompression, Zentrifugalkr\u00e4fte, Schwerelosigkeit, Assanierungsanlagen, Schleudersitz- bzw. Katapultvorrichtung usw. ging voll auf Kosten der Tiere. Planvoll geduldete Tierqu\u00e4lerei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das popkulturell wirksame Nachbild des niedlichen kleinen Hundes, der im Weltraumanzug mit gl\u00e4serner Kugel munter Richtung Mond fliegt, zeigt in Wahrheit erhebliche Risse.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Positionen von Belka und Strelka , die als Pr\u00e4parate vertr\u00e4umt sehnsuchtsvoll den gestirnten Himmel \u00fcber sich, das moralische Gesetz in sich, anhimmeln, sind schlimmste Tatsachen-Klitterungen, ideologische Verkehrung und rechtfertigen in keiner Weise, was Laika und ihre Gef\u00e4hrtinnen erduldeten. Das bekannte Titelfoto zeigt sie angeblich kurz vorm Abflug, was ganz sicher nicht der Fall ist. Auch wurden die offiziellen Pressefotos gesch\u00f6nt, die struppigen Stra\u00dfenhunde sollten &#8211; Instagram l\u00e4sst von ferne gr\u00fc\u00dfen &#8211; fotogener erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch erinnere mich, dass die Hunde f\u00fcr die Zeitungen sch\u00f6ner, besser gebaut und mit intellektuellem Schn\u00e4uzchen erscheinen mussten.\u201c (Oleg Georgiwitsch Gasenko)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es war&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/oleggasenko\">#OlegGasenko<\/a>, der 1998 selbstkritisch den Tierversuch mit Laika so auf den Punkt brachte:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eDi<em>e Arbeit mit Tieren ist f\u00fcr uns alle eine Quelle st\u00e4ndigen Kummers. Wir behandeln sie wie Babys, die nicht reden k\u00f6nnen. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr tut mir das Ganze leid. Wir haben zu wenig aus dieser Mission gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen.&#8220;<\/em><\/p>\n<cite>Oleg Georgiwitsch Gasenko<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/perestroika\">#Perestroika<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/wiedervereinigung\">#Wiedervereinigung<\/a>&nbsp;nebst Zerfall der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/udssr\">#UDSSR<\/a>&nbsp;\u00f6ffneten Archive, die lange unzug\u00e4ngliches Material zutage brachten. Bezeichnenderweise sind es nicht wissenschaftliche Texte, die das heile Bild des menschlichen Fortschritts konterkarieren:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/nickabdazis\">#NickAbdazis<\/a>&nbsp;Graphic Novel Laika, genau wie der Dokumentarfilm&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/spacedogs\">#Spacedogs<\/a>&nbsp;von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/elsakremser\">#ElsaKremser<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/levinpeter\">#LevinPeter<\/a>&nbsp;versuchen k\u00fcnstlerische Ann\u00e4herungen, um uns die Stoffe in ihrer Komplexit\u00e4t n\u00e4her zu bringen. Dabei haben Kremser und Peter dank hartn\u00e4ckiger Recherche, verl\u00e4sslicher Transparenz und \u00fcberzeugender Bildsprache Vertrauen f\u00fcr ihr filmisches Projekt erzeugen k\u00f6nnen. Auch Abdazis konnte erstmals die Ambiguit\u00e4t der damaligen Akteur:innen \u2013 nicht zuletzt Koroljows eisernen Willen und der Kreis der f\u00fcr die Tiere Verantwortlichen, wie Gasenko und andere \u2013 in die Sprechblase der Graphic Novel bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Technik hat zu allen Zeiten die Reichweite der Menschen ver\u00e4ndert, meist ihren Radius vergr\u00f6\u00dfert. Prinzipiell ist gegen technische Errungenschaften auch solange nicht zu sagen, solang ihre Balancen und Dysbalancen transparent bleiben und ihre Auswirkungen nicht von einigen (happy) fews \u00fcber (sadly) manys vorgegeben und in closed shops verhandelt werden. Im Fall von Laika nicht zuletzt von Menschen \u00fcber blo\u00dfe &#8218;Versuchstiere&#8216; (Hunde nebst Affen, Kaninchen, M\u00e4usen, Ratten, Schildkr\u00f6ten). Nur, weil wir es k\u00f6nnen, d\u00fcrfen wir \u201edie kleinen ergebenen Br\u00fcder\u201c nicht rechtlos einspannen f\u00fcr unsere Zwecke.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/spacerace\">#SpaceRace<\/a>&nbsp;der 50er und 60er in unserer Zeit Fahrt aufgenommen und an Brisanz gewonnen hat, wird niemandem entgangen sein. Dass die Raumfahrt in Teilen privatisiert wird und sich damit privilegierte Zug\u00e4nge sichert, st\u00f6\u00dft auf so geringe Resonanz, dass es mich wirklich befremdet. Wem geh\u00f6rt denn eigentlich das All? fragte ich in einem Expos\u00e9 mit Null Resonanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Dominiert von Technologiekonzernen, Milit\u00e4rvertretern, Agencys, Lobbyisten, werden die Diskurse bislang recht einseitig gef\u00fchrt. Die Vision, einst auf anderen Planeten leben zu k\u00f6nnen (wom\u00f6glich in gar nicht so ferner Zukunft zu m\u00fcssen), fegt alles, was die instrumentelle, taktische, zweckdienliche Vernunft st\u00f6ren k\u00f6nnte, hinweg. Fragen in dieser Hinsicht sind l\u00e4stig. Claims und wirtschaftlichen Interessen (<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/rohstoffe\">#Rohstoffe<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/besiedelung\">#Besiedelung<\/a>&nbsp;etc.) dominieren und verweisen berechtigte Einw\u00e4nde als problem- statt l\u00f6sungsorientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei verpufft die Warnung, im&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/weltraum\">#Weltraum<\/a>&nbsp;nicht die gleichen Fehler zu begehen wie auf der Erde. Wenn \u00fcberhaupt (!), handelt es sich um eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/allmende\">#Allmende<\/a>&nbsp;und kein nationales Privateigentum. Die Erforschung des Alls war nie frei von milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Interessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als den Sowjets bei Kriegsende die Hinterlassenschaften der nationalsozialistischen Raketenforschung in die H\u00e4nde fielen, hatten sie immerhin den Anspruch, die Geschichte m\u00f6ge sich nicht wiederholen; eine verzweckend missbr\u00e4uchliche Verwendung wissenschaftlicher Forschung sollte im (kapitalismusbefreiten) Sozialismus ausgeschlossen, statt dessen alle Kr\u00e4fte der besseren Zukunft, der neuen Menschheit gewidmet sein. Beim VI. Weltjugendfestival 1957 in Moskau wurde folgende Er\u00f6ffnungsrede gehalten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eSie sind zum Festival aus allen L\u00e4ndern (\u2026) gekommen und wir begr\u00fc\u00dfen Sie so wie Sie sind. Wir sind der Ansicht, dass jedes Volk das Recht hat, sein Leben so aufzubauen wie es das w\u00fcnscht: Wir haben unsere Ideen und Anschauungen niemals jemandem aufgezwungen und beabsichtigen nicht, dies zu tun. (\u2026) Wachen Sie \u00fcber den Frieden, vereinigen Sie Ihre jungen Kr\u00e4fte zu seinem Schutz, zur Festigung der Freundschaft und des wechselseitigen Verstehens zwischen allen V\u00f6lkern, k\u00e4mpfen Sie f\u00fcr eine bessere Zukunft der ganzen Menschheit! Es lebe die Jugend \u2013 der herrliche Fr\u00fchling der Menschheit! (\u2026) Es lebe und gedeihe der Weltfrieden.&#8220;<\/p>\n<cite> Klement Woroschilow <\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bittere Realit\u00e4t war: Die Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn durch Moskau und das bewaffnete Einschreiten gegen Reformen lag kaum ein Jahr zur\u00fcck. Dem Redner, Klement Woroschilow, einem engen Vertrauten Stalins, klebte Blut an den H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, darf die Absicht, der Festigung der Freundschaft und des wechselseitigen Verstehens zwischen allen V\u00f6lkern zu dienen, nicht per se eine Hohn-Rede sein. Frieden zu schaffen, bedarf der Bereitschaft, anzuerkennen, was war und was nicht war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das betrifft insbesondere auch die Satelliten-Forschung: Ohne Satelliten h\u00e4tten wir heute keine Wettervorhersagen, keine Navigationsger\u00e4te, keine Telemedizin und keine satellitengest\u00fctzte Dokumentation des Klimawandels (Permafrost-Schwund). Aber freilich auch kein Mega-Farming, keine XXL-Rinderzucht, keine \u00dcberwachung und anderes mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier setzt mein Satelliten-Zyklus an. Mich interessierte an dem Material zun\u00e4chst einmal das vielstimmige Sprechen, angefangen von den toten Tieren selbst, \u00fcber die Mauern und Pilaster der R\u00e4ume, die offiziellen Verlautbarungen der Funktion\u00e4re, bis hin zu den kulturellen Subtexten. Als solches verstehe ich etwa die bis heute Wirkung zeitigenden Konzepte des anthropozentrischen Fortschrittsglaubens, der alle Begrenzungen in Zeit und Raum \u00fcberwindet \u2013 auch um einen hohen Preis. Was Langgedichte mit einem episch-balladesken Ton leisten k\u00f6nnen, bleibt abzuwarten. Wozu es sie in der Moderne gibt? Eine Frage, die neben inhaltlichen Sachverhalten das Thema Zeugenschaft dokumentarischen Materials ber\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus als Live-Erlebnis aber auch Aspekte wie Rhytmus, Puls, Klang usw. angehen. Eigenschaften, die unsere Naturhaftigkeit ber\u00fchren und erlebbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo wir \u2013 im weitesten Sinn \u2013 zuhause sein k\u00f6nnen, welche Bedingungen es braucht und wie wir uns einrichten k\u00f6nnen, dazu kann der Abend am 3.11.22 im Kunstverein M\u00fcnchen vielleicht Inspirationen geben. Die Texte von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/lubibarre\">#LubiBarre<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/judithkeller\">#JudithKeller<\/a>&nbsp;sowie die Bilder von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/felicitaskirgis\">#FelicitasKirgis<\/a>&nbsp;sind auf jeden Fall anregend und vielversprechend.<\/p>\n\n\n\n<p>* Ein Auszug aus dem Satelliten-Zyklus, das Gedicht &#8222;Sputnik Eins&#8220; findet sich im&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.schoeffling.de\/buecher\/matthias-kniep-nadja-k%C3%BCchenmeister\/jahrbuch-der-lyrik-2022\">Jahrbuch der Lyrik 2022<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Blogpost erschien am heutigen Datum zuerst auf LinkedIn. Ich habe mir diese Gedanken anl\u00e4sslich der <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/lesung\">#Lesung<\/a>&nbsp;am 3.11.22 um 20 Uhr im <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/kunstvereinm%C3%BCnchen\">#KunstvereinM\u00fcnchen<\/a>&nbsp;in der Reihe <a href=\"https:\/\/meinedreilyrischenichs.wordpress.com\/2022\/09\/29\/29-ausgabe-mit-barre-keller-steppacher-und-kirgis\/\">MeinedreilyrischenIchs<\/a>&nbsp;gemacht. <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/lyrik\">#Lyrik<\/a>&nbsp;von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/lubibarre\">#LubiBarre<\/a>&nbsp;(Hamburg)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/judithkeller\">#JudithKeller<\/a>&nbsp;(Z\u00fcrich)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/elvirasteppacher\">#ElviraSteppacher<\/a>&nbsp;(M\u00fcnchen) und <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/kunst\">#Kunst<\/a>&nbsp;von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/hashtag\/felicitaskirgis\">#FelicitasKirgis<\/a>&nbsp;(M\u00fcnchen). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die feinen Kl\u00e4nge in der Nacht zum 4. Oktober 1957&nbsp;registrierte, mochte Tiefsee-Sonar vermuten, einen surrealen Unterwassertraum annehmen, doch das Ger\u00e4usch war echt. Den Hall im All erzeugte SPUTNIK EINS, der erste russische Satellit. Sein Sound, eine Zeitenwende. Es war ein Coup ohnegleichen: Obgleich der Satellit wenig mehr konnte, als Signale auszusenden, verpasste er der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false}}},"categories":[1,735],"tags":[768,770,754],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7CNwT-BJ","jetpack-related-posts":[{"id":1182,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2020\/02\/27\/vom-fakt-zum-fake-wie-aus-august-gemmings-streich-eine-story-fuer-die-nachwelt-wurde\/","url_meta":{"origin":2339,"position":0},"title":"Vom Fakt zum Fake. Wie aus August Gustl Gemmings Streich eine Story f\u00fcr die Nachwelt wurde","author":"Elvira Steppacher","date":"27. Februar 2020","format":false,"excerpt":"An seinem Ruf als Lustiger Leutnant, toller Gustl oder bayerischer Eulenspiegel hat August Gustl Gemming (1836-1893) fraglos seinen Anteil. Doch die Medien, erst recht Freunde und Feinde spielen ordentlich mit. In nuce zeigt sich, wie sie um einer guten Story willen die Fakten davonschwimmen lassen. Vor hundert Jahren geschah das\u2026","rel":"","context":"In &quot;August Gustl Gemming&quot;","block_context":{"text":"August Gustl Gemming","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/august-gustl-gemming\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Detail-aus-M\u00fcnchner-Neueste-Nachrichten-vom-06.05.1928-1.png?resize=350%2C200&ssl=1","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":1999,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2020\/11\/20\/das-atelier-elvira-die-feministische-frage-und-august-gemmings-antwort-bloggerwalk-femaleheritage\/","url_meta":{"origin":2339,"position":1},"title":"Das Atelier Elvira, die feministische Frage und August Gemmings Antwort   #femaleheritage","author":"Elvira Steppacher","date":"20. November 2020","format":false,"excerpt":"Dass zwei Frauen sich liebten, gar \u00f6ffentlich ihre Partnerschaft lebten, war im November 1886 alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Zwar galt M\u00fcnchen vor 133 Jahren als vergleichsweise liberal, doch auch in Bayern begr\u00fcndete Duldung keine Akzeptanz und Toleranz kein Recht. Als die Feministinnen Anita Augspurg und Sophia Goudstikker sich entschlie\u00dfen, in\u2026","rel":"","context":"In &quot;Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltung&quot;","block_context":{"text":"Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltung","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/archive-bibliotheken-museen\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/DE-1992-FS-FOR-2877_1939.jpg?resize=350%2C200&ssl=1","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":1441,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2020\/03\/24\/krieg-und-kopfkino-die-bilder-festhalten-die-unaufhoerlich-unsere-kopfstation-umkreisen\/","url_meta":{"origin":2339,"position":2},"title":"Gemming, Krieg und Kopfkino: &#8222;Die Bilder festhalten, die unaufh\u00f6rlich unsere Kopfstation umkreisen&#8220;","author":"Elvira Steppacher","date":"24. M\u00e4rz 2020","format":false,"excerpt":"Ein geschasster Milit\u00e4r, ein Feind, der fasziniert, und ein Sieg voller Widerspr\u00fcche: Gemming beginnt seinen Einstieg in die Welt der Literatur als Kriegstagebuchschreiber. So recht glauben will an seinen Erfolg als Autor niemand. Der Verlag, ein Antiquariat in der N\u00e4he der elterlichen Wohnung, wurde wom\u00f6glich vom anerkannten Vater \u201amotiviert\u2018, sich\u2026","rel":"","context":"In &quot;August Gustl Gemming&quot;","block_context":{"text":"August Gustl Gemming","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/august-gustl-gemming\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Auswahl-Bilder-Von-der-Etappe-1882-scaled.jpg?resize=350%2C200&ssl=1","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":1332,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2020\/03\/10\/im-reich-der-virtuellen-sinne-warum-content-marketing-und-storytelling-auch-ethisch-gefordert-sind\/","url_meta":{"origin":2339,"position":3},"title":"Im Reich der (virtuellen) Sinne. Warum Content Marketing und Storytelling auch ethisch gefordert sind","author":"Elvira Steppacher","date":"10. M\u00e4rz 2020","format":false,"excerpt":"Historisch gesehen, wurzelt Content Marketing im Editorialen. Quan\u00adtitativ \u00fcberwiegen daher typi\u00adsche redak\u00adtio\u00adnelle Formen wie Text, Foto, Video und Audio. Content Marketing spricht bis\u00adlang also vorrangig die soge\u00adnannten h\u00f6heren menschlichen Sinne, das Auge und das Ohr, an. Seit Virtual Reality, Aug\u00admen\u00adted Rea\u00adlity, Live-Kommuni\u00adkation (Events) ebenfalls von Con\u00adtent durchdrungen sind, erweitert sich\u2026","rel":"","context":"In &quot;Algorithmen, KI, Virtualierung&quot;","block_context":{"text":"Algorithmen, KI, Virtualierung","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/algorithen-ai-ki\/"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":1146,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2020\/02\/09\/wau-wau-wow-das-bayerische-nationalmuseum-kommt-auf-den-hund\/","url_meta":{"origin":2339,"position":4},"title":"Wau, Wau, Wow! Das Bayerische Nationalmuseum kommt auf den (KI-)Hund","author":"Elvira Steppacher","date":"9. Februar 2020","format":false,"excerpt":"Hugo von Hofmannsthal wusste, warum er den J\u00fcngling in seiner Erz\u00e4hlung \"Gerechtigkeit\" mit einem filigranen Windhund konfrontierte. F\u00fcr die ornamental-vegetative \u00c4sthetik des Fin de si\u00e8cle waren die leichtf\u00fc\u00dfigen Tiere wie gemacht. Unm\u00f6glich, sich die moderne Parabel mit einem Dackel vorzustellen. Thomas Mann, Zeitgenosse Hofmannsthals, setzte seinem Liebling Bauschan literarisch ein\u2026","rel":"","context":"In &quot;Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltung&quot;","block_context":{"text":"Archive, Bibliotheken, Museen, Verwaltung","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/archive-bibliotheken-museen\/"},"img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":691,"url":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2016\/11\/11\/got-talent\/","url_meta":{"origin":2339,"position":5},"title":"Got Talent?","author":"Elvira Steppacher","date":"11. November 2016","format":false,"excerpt":"Bitte: keine weiteren Talentwettbewerbe! Models, S\u00e4nger, T\u00e4nzer, K\u00f6che, Comedians, Bachelors, Gr\u00fcnder \u2013 und nun auch noch Gestalter und Designer. Reicht\u2018s nicht allm\u00e4hlich? Ja und nein. Richtig ist, auch der CEWE-Print Creative Charity Award (Kreativ-Wettbewerb) f\u00fcr Gestalter und Designer wollte die besten Entw\u00fcrfe durch eine Jury ermitteln lassen, doch das Thema\u2026","rel":"","context":"In &quot;Awards&quot;","block_context":{"text":"Awards","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/category\/awards\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Charity-Creative-Award-2016_Talent_H\u00c3\u00b6rstDuichZaubere_Elvira-Steppacher_und_-LenaBodammer-300x200.jpg?resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2339"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2339"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2422,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2339\/revisions\/2422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}