{"id":1057,"date":"2019-08-28T10:46:10","date_gmt":"2019-08-28T08:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/?p=1057"},"modified":"2023-03-08T09:09:00","modified_gmt":"2023-03-08T08:09:00","slug":"kultur-diversity-und-humor-drei-ziemlich-beste-freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.elvira-steppacher.de\/blog\/de\/2019\/08\/28\/kultur-diversity-und-humor-drei-ziemlich-beste-freunde\/","title":{"rendered":"Kultur, Diversity und Humor. Drei ziemlich beste Freunde."},"content":{"rendered":"\n<p>Diversity und Frauen, manchmal scheint es, als sei das Thema Diversity nur ein Frauenthema. Dabei zeigen Stichworte wie Neurodiversit\u00e4t oder Inklusion, dass wissenschaftlich und empirisch l\u00e4ngst viel breiter zu dem Thema geforscht wird. Mit Recht, denn der Zusammenhang zwischen \u00dcbernormung, Anpassung und Leistung ist evident. Wer sich sexuell, religi\u00f6s, neuronal usw. stets rechtfertigen muss oder seine wahren Bed\u00fcrfnisse verschleiert, weil sie tabuisiert oder ausgrenzend wirken, wird unter seinem Niveau bleiben.<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Die \u00dcbernormungsmuster\nsind stets die gleichen \u2013 die Mehrheit definiert, was als normal gilt und\nfolglich, welches Verhalten akzeptabel ist und was nicht. Typische Diskriminierungspraktiken\nsind zuallererst rhetorisch, bevor sie strukturell-legislativ zementiert\nwerden. So kann es als Social- oder Capacityblaming bei Menschen mit einer autistisch\noder hochsensitiv gepr\u00e4gter Wahrnehmung gelten, wenn Kolleg_innen von \u201eDer oder\ndie ist ein bisschen schr\u00e4g\u201c sprechen oder \u201eWas, das strengt dich an, du bist\nja \u00fcberhaupt nicht belastbar!\u201c Wie Produktivit\u00e4t entsteht, verl\u00e4uft mitunter eben\nau\u00dferhalb der Norm. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher d\u00fcrfen Frauen, die zum Teil anderes Kommunikationsverhalten als M\u00e4nner zeigen, genau wie LGBTQ**** mit Recht hellh\u00f6rig werden, wie inklusiv sie angesprochen werden oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<em><strong>\u201eMit Diversity in F\u00fchrung \u2013 Welche Kultur braucht der digitale Wandel?\u201c <\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Etwa 50 Frauen und eine Handvoll M\u00e4nner zeigten beim gestrigen Themenabend der Digital Media Women (DMW) M\u00fcnchen, dass das Thema Diversity im Blick auf Frauen inzwischen eine Geschichte hat, aus der zu lernen ist \u2013 f\u00fcr k\u00fcnftige Diversitystrategien. Denn es ist zu erwarten, dass mit der Erweiterung des Diversityspektrums \u2013 nicht zuletzt im Blick auf Cyborgs \u2013 bekannte Problemszenarien wieder auferstehen.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>War es ein Fehler, das Thema Diversity anfangs in der HR zu verorten und mit dem Schwerpunkt \u201eVereinbarkeit von Beruf und Familie\u201c zu positionieren? Ja, es war. Denn es geh\u00f6rt in die Gesch\u00e4ftsstrategie.<br><\/li><li>War es ein Fehler zu glauben, dass sich ohne Quote etwas bewegt? Ja, es war. Erst recht, wenn man noch heute Quote 0 als Ziel angeben kann.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Panel @SteffiFeldmann (Keyp), @RosaRiera (Siemens) und Kathrin Rhode (Thoughtworks) moderiert von Katja Vater (@Katja_like) brachte wertvolles Erfahrungswissen aus dem Alltag mit. Angenehm selbstkritisch, ohne den \u201eWelche Probleme?\u201c-Habitus und erkennbar energetisch (trotz mancher \u201ezwei-zur\u00fcck-eins-vor\u201c-Schritte) f\u00fcr die Sache k\u00e4mpfend. Au\u00dferdem grandios, das ironische Zitieren der unbewussten eigenen Vorurteile und Stereotypen (un)concious bias. Der Saal bekam gleich eine vitalere Dynamik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#30mit30, <\/strong> <strong>also 30 Unternehmen mit einer Frauenquote von 30 Prozent <\/strong> <strong>bleibt noch ein Fernziel \u2013 leider. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So lautet das Fazit von den ehrenamtlichen DMW Macherinnen @hellocec C\u00e9cileSchneider und @KatjaVater. Aufgeben gilt trotzdem nicht, denn es ist ja auch schon etliches erreicht worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neulich stellte die ZEIT eine <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/arbeit\/2019-08\/diskriminierung-ungleichheit-arbeitsplatz-sexuelle-belaestigung-gender-pay-gap-elternzeit\">Sammlung an diskriminierende Spr\u00fcchen<\/a> vor, die in dieser Geballtheit Gef\u00fchle wie Trauer, Zorn, Abscheu weckten, aber auch sprachlos machten. Da Sprache eine, wenn nicht die wichtigste Pr\u00e4figuration vorstellt, ist es wichtig, auch f\u00fcr Diversity gute Narrative zu finden. Das ist beileibe nicht trivial, zumal das Deutsche sich schwerer tut als das Englische, um sowohl sensibel als auch fl\u00fcssig zu formulieren.  Schlie\u00dflich wirkt auch die Gendersternchendebatte bei Menschen, die an sich zu den F\u00f6dererern gez\u00e4hlt werden d\u00fcrfen, nicht nur Gutes und kann \u00fcberfordern. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe vor langer Zeit einem Kunden den Vorschlag gemacht, die salvatorische Klausel einfach mal umgekehrt anzuwenden. Also, statt der besseren Lesbarkeit immer nur die weibliche Form zu verwenden, aber in der Fu\u00dfnote darauf hinzuweisen, dass die m\u00e4nnliche nat\u00fcrlich mit gemeint sei. Das Ergebnis, gro\u00dfe Beipflichtung, echt cool, w\u00e4re ja mal interessant &#8211; gemacht wurde es dann doch lieber anders. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein Scherz. Warum mehr\nHumor befreiende Wirkung haben kann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Humor, echt, jetzt?! Die\nj\u00fcngsten Shitstorms zu Vater- und Muttertagsvideos von <a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/marketing\/nachrichten\/nach-muttertag-shitstorm-jetzt-legen-edeka-und-jung-von-matt-den-vatertag-spot-nach-175114\">Edeka<\/a>\nlassen gr\u00fc\u00dfen. Humor, ist das nicht immer auf Kosten von irgendwem? Wie oft,\nmacht auch im Humor die Dosis das Gift.<\/p>\n\n\n\n<p>Feiner Humor hat eine gro\u00dfe subversive Kraft, auch weil er teilweise im uneigentlichen Sprechen beruht. Ihm eignet, so betrachtet, etwas durchaus Virtuelles an, er macht Dinge m\u00f6glich, indem er zeigt, wie unm\u00f6glich sie sind und vice versa. Dadurch kann Humor etwas aufbrechen, was zuvor nicht denkbar war. Er kann Normen hinterfragen, blinde Flecke zeigen, den Spiegel vorhalten. Wenn man sich anschaut, was heute schon an AR, VR und MR m\u00f6glich ist,  frage ich mich, warum dies so selten f\u00fcr die wirklich relevanten Probleme eingesetzt wird. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die M\u00f6glichkeiten des Humors f\u00fcr die gute Sache austesten &#8211; Risiko oder nicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Humor kann etwas aufbrechen, was zuvor nicht denkbar war. Er kann Normen hinterfragen, blinde Flecke zeigen, den Spiegel vorhalten. Warum also nicht die M\u00f6glichkeiten des Humors st\u00e4rker f\u00fcr die gute Sache austesten?<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade, wo es um ernsthafte, seri\u00f6se Anliegen geht, sind die Verfechter dieses Anliegens eher z\u00f6gerlich gegen\u00fcber der Kraft des Subversiven. Es k\u00f6nnte ihrer Sache schaden und abtr\u00e4glich sein, f\u00fcrchten sie. Da ist insofern etwas dran, als dass Humor eine gef\u00e4hrliche Waffe sein kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Nichts kann mehr nach hinten losgehen als Pseudo-Humor. Es kann aber auch revolution\u00e4re Kraft haben. Karikaturen oder Cartoons in Zeitungen, diese illustrierte Glossen, bewahren etwas auf von dieser harmlos machtvollen Power. Eine Kultur, in der man zum Lachen nicht in den Keller gehen muss, h\u00e4lt viel mehr aus und kann helfen, allf\u00e4llige Spannungen, die zunehmen werden, wohlwollend und positiv zu entladen. Kultur, Diversity und Humor passen auf den ersten Blick vielleicht so wenig zueinander wie die beiden Protagonisten in dem Film &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ziemlich_beste_Freunde\">Ziemlich beste Freunde<\/a>&#8222;, der ja auf einer wahren Geschichte beruht. Der Tetraplegiker Philippe sch\u00e4tzt an seinem Pfleger Driss, dass er ihn gerade nicht wie ein rohes Ei behandelt.  Und ja, zwischen beiden darf viel gelacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diversity und Frauen, manchmal scheint es, als sei das Thema Diversity nur ein Frauenthema. 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