Fechten für die gute Sache. August Gemming als cleverer Markteer

Not macht erfinderisch. Der Humorist August Gemming, 1888 erneut knapp bei Kasse, versucht, mit seinen Werken Geld zu machen. Um den Absatz zu steigern, fällt er auf die Idee, diese im Bundling anzubieten. 5 Mark soll das Gesamtoeuvre kosten Darüber hinaus verspricht er, einen Teilerlös zu spenden:

Ein Theil des Betrags geht in die Cassa der Deutschen Reichsfechtschule.
G e m m i n g, Fechtmeister

Nachwort zu „Scherz und Ernst in Poesie und Prosa“, S. 64

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Der Ochs, der nie ein Kalb war. August Gustl Gemming und die Fleischbrücke zu Nürnberg

Zu Gemmings Lebzeiten ist der Ochse als Arbeitstier noch Alltag. Doch im aufstrebenden Maschinenzeitalter werden die Zugtiere nach und nach ersetzt. Gemming verbindet mit dem Tier eine doppelte Heimaterinnerung. Einmal das Lasttier seiner frühen Kindheit rund um den Rothenberg im bäuerlichen Umfeld der fränkischen Alb. Sodann aber auch als Steinskulptur zum Fleischhaus. Der Lyriker Gemming widmet dem Ochsenportal zu Nürnberg ein Gedicht.

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„Abgereist“. Weinagent Gemming und der leidige Vertrieb im Gedicht

Nachdem seine Arbeiten als Satirischer Zeichner, Komponist und Schriftsteller keine nennenswerte Früchte tragen, musste August Gustl Gemming bald andere Verdienstmöglichkeiten für sich auftun. Er probiert es mit Saisonjobs wie Fremdenführer, aber auch als Weinagent und Verkäufer von Petroleumlampen. Ein Gedicht über einen gewissen „G-.“ , der als Versicherungsvertreter für Schlechtwetter-Policen unterwegs ist, dürfte daher einen realbiographischen Hintergrund haben. Literarisch verwandelt Gemming die Kernaufgabe des Handelsreisenden in eine aufschlussreiche Vertriebs(tor-)tour.

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Gemmings Hasen. Vignette, Signatur, Lebenschiffre

August Gustl Gemming betitelt seinen lyrischen Erstling „Poetische Verbrechen.“ Den Buchdeckel zieren zwei Feldhasen. Sie sitzen Seit an Seit unter dem Namen des Autors. Der rechte fixiert den Leser mit durchdringenden Augen, der linke kehrt ihm den Stummelschwanz zu. Die Vorlage zu dieser Vignette hat Gemming vermutlich selbst gezeichnet. Später greift er auf einen Holzschnitt von Theuerkorn zurück.

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Null zu Eins. Algorithmen und Content Marketing

Ein selbstlernendes algorithmisches Sys­tem verstärkt sich mit jeder Information selbst. Das kann sehr nützlich sein, solange die Kontrolle über das System erhalten bleibt. Mindestens genauso wichtig ist, dass der Al­go­rith­mus nicht von fehlerhaften oder diskri­mi­nie­ren­den Grund­an­nah­men ausgeht, weil er sonst – für die Betroffenen intransparent – „sozial sortiert“[1].

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Neue Narrative vom Sterben. August Gustl Gemming, der Alte Nördliche Friedhof und der Tod

Als Gemming am 14. Februar 1893 starb, hatte die Moderne das Sterben längst als wachstumsstarken Markt entdeckt. Bedingt durch epochemachende Erfindungen wie Dampfkraft, Elektrizität, Eisenguss, Galvanisierung, veränderte sich das Erscheinungsbild der Friedhöfe und Grabmale spektakulär. Der Tod wurde ostentativer Akt bürgerlicher Selbstrepräsentation.

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