Diversity und Kreativität – Zur Ideenkultur in gemischten Teams

Kreativität ist eine der wichtigsten Ressourcen von Unternehmen. Zugleich ist sie eine der flüchtigsten. Sie steht und fällt mit den jeweiligen Rahmenbedingungen. Alle Menschen haben kreatives Potential, aber einige sind geübter darin, dieses bei sich – und anderen – zu kultivieren. Sie:

  • haben weniger Barrieren im Kopf
  • akzeptieren keine Denkverbote
  • trauen sich, etwas Neues auszuprobieren
  • verfolgen scheinbar in die Irre führende Gedanken weiter
  • erlauben sich Umwege und Sonderpfade
  • nehmen Ideen anderer Menschen ernst
  • finden Anderes interessant
  • setzen Humor als steuernde Kraft ein

Unternehmen, denen es gelingt, ihren Teams Freiräume für Kreativität zu erschaffen, verfügen in der Regel über eine Kultur der Offenheit.

Verschiedenartigkeit wird nicht als störend, sondern erst einmal als bereichernd erlebt. Das schließt nicht aus, dass es durchaus aufwändiger sein kann, Verschiedenheit durch gute Prozesse zu steuern. Dennoch: Wo Mitarbeiter darauf vertrauen können, dass ihre Ideen Wertschätzung erfahren, dass in ihrem Team ein offener und integrativer Umgang gepflegt wird, dort kann sich Kreativität besser etablieren.

Kreativität kultivieren
Im Wort kultivieren steckt Kultur. Es bedarf also Führungskräften, die wissen und vorleben, was kreativitätsfördernde Rahmenbedingungen sind. Das kann, wie in manchen Kreativ-Agenturen üblich, ein besonderer „Kreativitätsraum“ sein – sei er nun voll mit kreativitätsfördernden Objekten oder gerade vollkommen leergeräumt – es geht aber selbstverständlich auch ohne. Wichtiger als der Kicker auf dem Flur ist der Kicker im Kopf. Wenn die Kugel hier in Bewegung kommen soll, darf man die verschiedenen „Erfindertypen“ nicht außer Acht lassen. Während der eine nur durch stilles Knobeln, Tüfteln oder Basteln mit (s)einer Idee weiterkommt, ist es beim anderen das gemeinsame Spinnen. Beide Weisen sind wirkungsvoll, kein Verfahren ist besser, wichtig ist, dass eine Führungskraft dafür sorgt, dass zwischen beiden Typen oder Polen einander die Bälle zugespielt werden.
Menschen neigen dazu, sich mit ihnen ähnlichen Menschen zu umgeben. Auch Teams sind insoweit oft homogen, nicht zuletzt dem Vorgesetzten. Was für bestimmte Aufgabenbereiche sehr wohl Sinn macht, ist für die Kultivierung von Kreativität wenig hilfreich. Das freie Spiel kann sich nicht entfalten, wenn vom Teamlead immer nur die je eigene kreative Spielart akzeptiert und gefördert wird. Wer dieser nicht entspricht, hält sich womöglich zurück und kann sein eigenes Potential gar nicht voll einbringen: Kritik und Spott gehören zu den giftigsten Kreativitätsvertilgungsmitteln, die es gibt.

Vertrackterweise können auch kreative ‚Monokulturen‘ in Teilbereichen sehr erfolgreich sein. Sogar überraschend langet, denn sie perfektionieren ihre Lösungs- und Erfindungstechniken im Blick auf eine bestimmtes Aufgabengebiet. Neue, aber doch ähnliche Expertise kann sich mit der im Team vorhandenen Kompetenz mühelos verbinden, so dass sich schnelle Erfolge zeigen können.
Gemischte, durchaus gegensätzliche und widersprüchliche Teams sind indes beim Betreten von Neuland gemeinhin besser aufgestellt, weil sie größere Bandbreiten an Lösungswegen abdecken. Dieses zentrale Argument für Diversity leuchtet zwar theoretisch ein, ist aber schwieriger umzusetzen. Nicht zuletzt, weil die Lösungsansätze von diversen Teams häufig die Komplexität der Möglichkeiten spiegeln. Gutes Ideenmanagement sucht aber nicht nur nach d e r einen Lösung und verwirft alles andere, sondern gibt (noch) nicht ausgereifte Ideen zurück in das Ideengewächshaus oder – um in der Gärtnermetapher zu bleiben – auf den Ideenkompost.

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